Zum Klinikum Landkreis Tuttlingen

0 Kommentare

Allgemein | 4. März 2019

Stellungnahme zum Thema Klinikum Spaichingen

Einleitend wäre zunächst einmal klar zustellen, dass endlich damit aufgehört werden muss, ständig in der Berichterstattung wie auch in den Diskussionen von einer Schließung der Spaichinger Klinik zu reden. Das wurde nie gesagt, zumindest nicht von Seiten der Kreis- und Klinikverwaltung. Die einzigen, die solche Thesen aufstellen, sind die angeblichen Befürworter für das „weiter so“.

Leider ist die Diskussion in Versammlungen, Stellungnahmen und Leserbriefen nicht in allen Punkten sachlich geführt worden. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, sollte aber bei allem sachlich bleiben. Es gibt wohl in allen Fraktionen des Kreistages unterschiedliche Positionen. Die meisten Fraktionsmitglieder aus Spaichingen und dem nördlichen Landkreis sind anderer Meinung als der Rest. Das ist ihr gutes Recht.

Aber wie manche Befürworter nun wieder eine Gefahr sehen, dass die Stadt Tuttlingen hier eine Stärkung will, indem stationäre Angebote aus Spaichingen nach Tuttlingen verlegt werden sollen, ist schlichtweg falsch. Unsere Fraktion hat sich ein Meinungsbild gemacht, das durchaus unterschiedlich ist. Wir haben keinen Fraktionszwang und hatten den noch nie, jeder entscheidet nach seinem Wissen und Gewissen und frei ohne Zwang. Wie letztlich abgestimmt wird, ist jedem selbst überlassen.

Die Verlegung der Inneren Abteilung samt Altersmedizin nach Tuttlingen erfolgt aus zwei Gründen. Den medizinischen als Hauptgrund, dem natürlich der finanzielle Bereich folgt. Wichtig ist aber, im Interesse von Patienten eine optimale vollumfängliche medizinische Versorgung auch in Zukunft garantieren zu können. Dazu gehört neben der persönlichen Zuwendung des Personals, das in Tuttlingen genauso geleistet werden kann wie in Spaichingen, auch die Gerätemedizin für Diagnostik und Behandlung. Und die kann weder finanziell noch personell an beiden Standorten vorgehalten werden.

Der zweite Grund ist das Personal, dieses braucht Sicherheit für die Zukunft. Viele alte Pläne die jetzt ausgegraben werden, sind alt und sollten in den Schubladen bleiben, sie sind nicht die Grundlagen für eine Zukunft. Am 7. März soll in der Tat ein Gutachten in Auftrag gegeben werden, was dabei herauskommt ist noch offen. Es gibt noch genügend Möglichkeiten die dann verlegten Abteilungen wieder mit anderen, zusätzlichen oder erweiterten Angeboten zu füllen. Was und wie, dazu wird ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Wir müssen alle die Gesundheitsversorgung des gesamten Kreises im Auge behalten, und dafür haben alle Kreisräte die Verantwortung, auch die aus dem nördlichen Landkreis. Trotz Verlagerung von zwei Abteilungen ist das Tuttlinger Krankenhaus noch eines der kleinen in der Region. Vergleiche mit anderen Landkreisen wie Sigmaringen helfen nicht weiter, jeder Kreis hat andere Voraussetzungen und Rahmenbedingungen.

Das Thema Klinikum sollte eigentliche kein Wahlkampfthema sein und werden, wird es aber vermutlich – nicht fraktionseinheitlich bei allen – sondern punktuell von Vertretern des nördlichen Kreises. Eine Forderung, die Entscheidung zu vertagen, bringt uns überhaupt nicht weiter, die Zeit drängt, letztlich auch personell.

Was die Verlagerung des Klinikstandortes betrifft, so sind diese Überlegungen nicht neu, sondern kamen vor 40 Jahren und auch später erneut schon einmal auf den Tisch. Sie wurden immer mangels geeigneter Grundstücke immer wieder verworfen. Hätte es vor vier Jahrzehnten schon einen Neubau irgendwo zwischen Tuttlingen und Spaichingen gegeben, würden wir heute mit Sicherheit nicht über den Standort Spaichingen reden. Mit ein Schwachpunkt des Standortes Tuttlingen ist die Zufahrt, hier wird nach einer Alternative gesucht.

Wenn am 7. März entschieden wird, dann geht es darum danach die Anregungen des Gutachtens umzusetzen. Da gibt es durchaus Möglichkeiten Spaichingen zu stärken. Wenn alle schon ein tragfähiges Konzept hätten, bräuchten wir das Gutachten nicht. Nochmals zum Schluss ein Appell, endlich nicht mehr von Schließung von Spaichingen zu reden, sondern um Verlagerung von zwei Bereichen zum Wohl der Patienten.

Paul Haug
Fraktionsvorsitzender FDP-Kreistagsfraktion