Das „Bimmelbähnchen“ auf der Gäubahn

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Allgemein, Presseberichte | 21. September 2017

Region Tuttlingen

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15.09.2017 | Christian Gerards

Das „Bimmelbähnchen“ auf der Gäubahn

Die FDP diskutiert mit ihrer lokalen Polit-Prominez über die Verkehrssituation in der Region – Unternehmer ist die Bahnstrecke mit Blick auf seine Gäste schon fast peinlich. Diskutieren über die Verkehrssituation in der Region (von links): Andreas Schmidt, Jürgen Keck, Paul Haug, Hans-Peter Bensch, Ernst Pfister, Willy Walter, Ernst Burgbacher und Dieter Teufel. Foto: Christian Gerards

 

Tuttlingen sz Mit ihrer geballten Politik-Prominenz aus dem Landkreis Tuttlingen hat die FDP am Donnerstagabend bei der Tuttlinger Vito AG sich mit der Frage „Verkehrsinfrastruktur für den Mittelstand – wo fehlt es?“ auseinandergesetzt. Der Tenor war schnell klar: Es müssen Investitionen in die Infrastruktur her – und vor allem die Gäubahn zweispurig ausgebaut werden.

Neben den Kreisräten Hans-Peter Bensch, Willy Walter und Paul Haug waren auch mit Ernst Pfister der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister und mit Ernst Burgbacher der ehemalige parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium vertreten. Auch der Konstanzer FDP-Landtagsabgeordnete Jürgen Keck und IHK-Präsident Dieter Teufel nahmen an der Diskussionsrunde teil. Dagegen fehlte der Direktkandidat Marcel Aulila, er war zeitgleich bei einer Podiumsdiskussion im Landkreis Rottweil eingespannt.

Lärmschutz an Autobahn 81

Paul Haug zeigte zunächst auf, wie wichtig eine neue Lärmschutzwand an der A 81 auf Höhe von Geisingen sei. Die Autobahn zerschneide die Stadt und würde dadurch zu einer kräftigen Lärmbelästigung führen. Solange die neue Wand nicht kommt, plädiere Geisingen für eine Temporeduzierung auf dem Streckenabschnitt. „Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, den Lärmschutz für die Autobahn zu finanzieren“, sagte Haug. Einig waren sich die Liberalen auch darin, dass die Umfahrungen für Spaichingen und Immendingen dringend kommen müssen.

Ein zentraler Punkt der Diskussion war der zweispurige Ausbau der Gäubahn. Andreas Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Vito AG, meinte, dass es zu bestimmten Zeiten nicht schön sei, mit der Gäubahn zu fahren: „Manche unserer Gäste kommen zum ersten Mal nach Deutschland, da will man sie nicht unbedingt in diesen Regionalzug setzen. Da holen wir sie am Flughafen lieber mit dem Auto ab.“ Zudem würde der Flughafen in Zürich deutlich besser und zeitlich besser planbarer zu erreichen sein. Dem stimmte Pfister zu, aber nicht ohne den Hinweis, dass er den Trend nicht gut finde.

Die Bezeichnung „Regionalexpress“, der auf der Gäubahn unterwegs ist, sei für Burgbacher ein Euphemismus. Unter einem Express stelle er sich etwas anderes vor. Die Region dürfe es sich nicht weiter gefallen lassen, auf den Gäubahn-Ausbau zu warten.

Für Teufel ist der Name „Gäubahn“ zudem eine ungünstige Bezeichnung. Schließlich verbinde die Linie Stuttgart und Zürich und sei keine Bahnlinie in der Provinz. Dass der zweispurige Ausbau nun im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans sei, heiße allerdings nicht, dass „wir nächste Woche mit dem Ausbau anfangen“. So würde Stuttgart 21 auch nur Sinn machen, wenn die Gäubahn ertüchtigt wird.

Die Schweizer sind schon fertig

Keck wies darauf hin, dass die Strecke über Zürich weiter nach Mailand führen würde: „Für so eine Strecke fährt da ein Bimmelbähnchen“, meinte er. Während die Schweizer ihren Teil des Locarno-Abkommens, der den Bahnverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz verbessern soll, eingehalten haben, hinke Deutschland hinterher. Die Züge der Eidgenossen hätten eine deutlich bessere Qualität als die Züge der Deutschen Bahn: „Die Schweiz hat ihre Hausaufgaben gemacht.“

Bensch wies darauf hin, dass die Gäubahn laut SWR-Tickernachricht vom gleichen Tage an den Stuttgarter Tiefbahnhof  angeschlossen werden müsse. Kostenpunkt: 150 Millionen Euro. Die überparteiliche Koalition vor dem Bürgerentscheid zu Stuttgart 21 im November 2011 habe den Neubau des Bahnhofs immer mit dem Ausbau der Gäubahn verknüpft. Zudem müsse die Region laut Burgbacher aufpassen, dass der Flughafenanschluss der Gäubahn nach Stuttgart nicht wegbricht. „Rund 300 000 Passagiere aus diesem Einzugsgebiet fliegen pro Jahr von Stuttgart“, betonte er. Wenn der Anschluss wegbreche, dann würde sich der Ausbau der Gäubahn nicht rechnen.

Quelle: Schwäbische Zeitung vom 16.09.2017