Bundestagskandiaten im Porträt: Marcel Aulila (FDP)

0 Kommentare

Allgemein, Presseberichte | 21. September 2017

Schlagwörter:

RegionTuttlingen

LOKALES

24.08.2017 | Regina Braungart

Bundestagskandiaten im Porträt: Marcel Aulila (FDP)

Die Dinge zielstrebig voranbringen, ist der Ansatz des FDP-Kandidaten Marcel Aulila

„Die Freiheit führt das Volk“ heißt das Bild von Eugène Delacroix zur französischen Revolution, das im Wohnzimmer Marcel Aulilas hängt. Sein Bild ist derzeit auf vielen Plakaten zu sehen. Foto: Regina Braungart

Tuttlingen/Spaichingen sz Ein wenig überrascht hat Marcel Aulila sein politischer Aufstieg selbst. „Eigentlich wollte ich Kommunalpolitik machen.“ Nach einer kurzen Phase in der Jungen Union Spaichingens gründete er die Jungen Liberalen in Spaichingen. Er war Kreisvorsitzender, dann Landesvorsitzender, setzte sich knapp durch, ist jetzt im FDP-Landesvorstand und wurde von den Delegierten des Wahlkreises Rottweil-Tuttlingen zum Bundestagskandidaten gewählt. Und obwohl sein Listenplatz erst bei bisher unrealistischen Prozentzahlen der FDP zu einem Mandat führen wird, hängt sich der 26-Jährige ins Zeug. Im September werden es dann mindestens 15 Termine in der Woche sein.

Urlaub ist in diesem Jahr gestrichen, die Arbeit in der Firma seines Vaters kann er sich selbst einteilen. Er baut dort ein europäisches Vertriebssystem auf und macht den Vertrieb im ganzen süddeutschen Raum für Sicherungssysteme an Maschinen. Maschinenbau und Automatisierungstechnik sind die Hauptbranchen, mit denen seine Firma kooperiert.

Schon als Landesvorsitzender der Jungen Liberalen habe er berufliche Termine mit politischen koordiniert. Überhaupt: Disziplin und Zielstrebigkeit scheinen zwei Haupt-Eigenschaften Aulilas zu sein. Dabei wirkt er immer gelassen-freundlich, ohne jede Verbissenheit.

„In der Regelstudienzeit“, drei Jahren, so bemerkt er nebenbei, habe er auch sein Bachelorstudium an der Zeppelin University Friedrichshafen absolviert. Das Politik-, Wirtschafts- und Soziologiestudium am Bodensee, begleitet von zahlreichen Praktika auch in Großstädten, ist ihm wichtig. Die Urkunde hängt im großen Wohn- und Küchenraum der modernen Wohnung im elterlichen Haus an der Wand. Neben Beruf und Politik besucht Aulia drei- bis viermal die Woche das Fitnesstudio. Das Schlagzeug-Spielen hat er aufgegeben.

„Nie wieder Großstadt“

Er bezeichnet sich als „Rückkehrer“ vom Studium und bilanziert: „Nie wieder Großstadt.“ Er habe als Erwachsener die Gegend ganz neu kennen gelernt, mit eigenem Auto und fühle sich in der gesunden und schönen Umgebung pudelwohl. Den Landkreis Tuttlingen kannte er auch durch seinen Zivildienst gut. Den machte er bei der Awo in Tuttlingen. Über Essen auf Rädern habe er in soziale Bereiche geblickt, die er vorher nicht kannte und, wie er ehrlich sagt, wohl auch nicht kennen gelernt hätte.

Außerdem begleitete er einen gelähmten Jungen im Gymnasium in Tuttlingen. Dessen Lebensprognose sei schlecht gewesen, „und jetzt hat er Abi gemacht und das Studium in Friedrichshafen begonnen.“ Für Aulila auch so ein Beispiel, wie stark der Wille zur Selbstbestimmung sein kann.

So bleibt von dieser Phase eine wichtige Erfahrung, auch wenn er den Zwang zum Zivildienst damals als ungerecht empfunden hatte.

Wohin man kommen kann, wenn man zielstrebig und pragmatisch ist, das hat Marcel Aulila immer auch in der Familie und der eng verbundenen donauschwäbischen Gemeinschaft gesehen. Der Vater ist in Darowa geboren, die Mutter sogar in Brasilien, weil deren Familie als Donauschwaben aus Jugoslawien vertrieben wurde. Sie kam als Kleinkind nach Aldingen, beziehungsweise Spaichingen. Keine einfachen Lebenswege. Und heute? Demnächst expandieren der Vater und der Sohn mit ihrer Firma.

Die väterliche Firma irgendwann einmal zu übernehmen, ist der Wunsch, sagt Marcel Aulila. Er nimmt sich einerseits Leo Grimm, den früheren FDP-Landtagsabgeordneten und Unternehmer, aber auch Franz Schuhmacher, der neben seinem Landtagsmandat auch sein Unternehmen weiter führte, zum Vorbild. Seit 2014 ist er im Gemeinderat.

An der Politik gefällt Aulila die Bewegung; Dinge voranbringen, nicht an Ideologien festhalten. Muss und darf so ein junger Mann nicht auch ein wenig querschießen? Er schmunzelt und zitiert nicht ganz ernst den Parteivorsitzenden Christian Lindner: „Wenn du heute deine Eltern ärgern willst, gehe zur FDP.“

Das Programm der FDP

Die Punkte, die er nennt, sind die aus dem FDP-Programm. Bildungspolitik etwa – Vereinheitlichung bundesweit, mehr Kompetenzen für den Bund und mehr für die Schulen selbst, um sich etwa auch einer bestimmten regionalen Wirtschaftsstruktur besser anpassen zu können oder auch ein eigenes Personalmanagement zu betreiben. Steuerpolitik: „Jeder Neunte zahlt den Spitzensteuersatz, da stimmt doch was nicht.“ 500 000 Euro Freibetragsgrenze für Grunderwerb – es ist klassisch liberale Politik, die Aulia vorschwebt.

Eingebettet worin? Bildung solle den Menschen ermächtigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und die materielle Grundlage solle den jungen Leuten wie ihm ermöglichen, über materielle Werte ihre eigene Zukunft zu sichern, wenn die staatlichen Renten nicht mehr funktionieren werden.

Sein jugendliches Alter sieht er als starken Pluspunkt. Gerade was Digitalisierung und neue Medien angehe, sei die FDP als durchschnittlich junge Partei dafür prädestiniert, entsprechende Weichen zu stellen.

Quelle: Schwäbische Zeitung vom 24.08.2017