Bereit für den nächsten Schritt

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Allgemein | 18. November 2021

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Bundestagswahl Dr. Andreas Anton kandidiert erstmals für den Bundestag. Der Vorsitzende des Trossinger FDP-Ortsverbandes begreift seine Kandidatur als Warmlaufen für Kommendes. Er ist außerdem Wissenschaftler und arbeitet in Freiburg. Von Markus Schmitz

 
25.08.2021 – von Markus Schmitz

Die Großwetterlage für die FDP ist dieser Tage nicht schlecht. Während CDU und Grüne an ihren Kanzlerkandidaten verzweifeln, können sich die Liberalen den Zwist um Auftritte in Hochwassergebieten und den Streit um angebliche Plagiate in Buchveröffentlichungen entspannt anschauen. So hofft auch Dr. Andreas Anton, aus Trossingen, Ende September mit einem guten Ergebnis dazu beitragen zu können, seine Partei in Regierungsverantwortung zu bringen. Die Latte im Landkreis Tuttlingen liegt hoch: Jahrelang konnte die FDP hier überproportional punkten, hatte sie doch mit Ernst Burgbacher und Ernst Pfister starke Kandidaten.

Gute Großwetterlage

Nun, die goldenen Zeiten der Liberalen sind auch hier vorbei. Vor acht Jahren gab es bei den Bundestagswahlen einen mächtige Erdrutsch für die FDP mit einem Zweistimmenanteil von nur noch 6,4 Prozent, vor vier Jahren verbesserte sich die Partei kreisweit immerhin wieder auf 13,5 Prozent. Hier will nun auch Andreas Anton im Rennen der Neulinge anknüpfen. Sein Listenplatz dürfte seiner Einschätzung nach nicht ausreichen, um tatsächlich in den Bundestag einzuziehen. Dennoch strahlt der Kandidat Zuversicht aus und freut sich über die vielen Kontakte, die der Wahlkampf so mit sich bringt. Sein jetziger Versuch begreift er als „Warmlaufen“ für das, was da noch kommen soll.Aufgewachsen in einer diskussionsfreudigen Familie – freilich ohne parteipolitische Festlegung, wie er betont – gefiel ihm schon recht früh das im Liberalismus verankerte Menschenbild, weshalb er sich seit 2001 bei den Jungen Liberalen engagierte, bei denen er von 2012 bis 2015 Vorsitzender des Bezirksverbandes Südbaden war. Den Julis entwachsen, leitet er seit 2017 den FDP-Ortsverband Trossingen. Nun also der nächste Schritt für den verheirateten Vater zweier – und demnächst – dreier Kinder. „Angesprochen hat mich unser Kreisvorsitzender Hans-Peter Bensch“, sagt Anton. Nach gewisser Bedenkzeit folgte die Zusage.

Nicht immer leicht

Der 37-Jährige bekennt, dass es ihm seine Partei nicht immer leicht mache. Er sieht sich eher verortet in jener Parteirichtung, die von Altvorderen wie den linksliberalen Gerhart Baum und Burkhard Hirsch verkörpert wird. Die Engführung auf wirtschaftspolitische Themen, wie sie von Guido Westerwelle vorangetrieben wurde, ist seine Sache nicht. Ernste Zweifel am Parteiengagement für die Liberalen befielen ihn zuletzt, als sich Thomas Kemmerich in Thüringen unter anderem von Rechtsaußen Björn Höcke zum Kurzzeit-Ministerpräsidenten wählen ließ. Doch anstatt hinzuschmeißen, galt für ihn die Maxime „Jetzt erst recht“. Sich politisch zu engagieren sieht Anton mittlerweile auch als Verpflichtung, genährt durch sein Wissen um geschichtliche Zusammenhänge. „Die zivilisatorische Schutzschicht ist dünn“, so seine Diagnose mit Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre. Das Wissen um diese Verletzlichkeit nur scheinbar sicherer demokratischer Errungenschaften treibe ihn dazu, sich aktiv einbringen zu wollen.

Politik als Verpflichtung

Nicht unwesentlich für seine politische Biographie sind auch Ernst Burgbacher und Ernst Pfister, beide politische Schwergewichte, die über lange Jahre für ihren Wahlkreis in Bundestag und Landtag vertreten waren. „Beide sind wichtige Ratgeber“, sagt Anton. Politisch nennt er drei Schwerpunkte, die ihm besonders wichtig sind: zunächst die Stärkung der mittelständischen Wirtschaft und schnellere Fortschritte im Bereich der Digitalisierung. Klassische FDP-Themen also, die auch von der Parteispitze an erster Stelle genannt werden. Aber auch die Umweltpolitik. „Ich sehe nicht ein, dass dieses Thema von den Grünen okkupiert wird“, so der Liberale aus Trossingen. Der CO2-Ausstoß müsse schnell reduziert werden, fordert Anton, freilich ohne zu große staatliche Eingriffe. Der Staat solle nur das Ziel, nicht aber den Weg dorthin vorgeben. Zur Bewältigung der Klimakrise brauche es vor allem Wissenschaft, Forschung, Innovation und einen Wettbewerb um die besten Ideen. Im Gespräch wird deutlich, dass Andreas Anton Wissenschaftler ist. Hau-Drauf-Rhetorik scheint im fremd. Er argumentiert ausgewogen, immer wieder auch zweifelnd und doch überzeugt von seiner Sache. 1983 geboren in Villingen-Schwenningen, aufgewachsen in Trossingen, nahm er nach dem Abitur das Studium der Soziologie, Geschichte und Kognitionswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg auf. Von 2013 bis 2017 promovierte er im Fach Soziologie, seit vier Jahren ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg.

Die wahre Gefahr für die Freiheit

Ein Beispiel für das Abwägende mag seine Haltung zu Firmen wie Amazon dienen. Die Ansiedlung des Internet-Riesen in Trossingen hat er, wie er sagt, mit zwiespältigen Gefühlen betrachtet. Einerseits spricht er von der Notwendigkeit, dass in Trossingen Arbeitsplätze geschaffen werden, andererseits sieht er das Geschäftsgebaren von Firmen wie Amazon, Google, Facebook und Co sehr kritisch. Diese Unternehmen bedrohen seiner Ansicht nach die Freiheit am meisten – mit ihrer Überwachung, mit ihrer Abschöpfung von Daten. Bei diesem Thema wird dann auch der Soziologe vehement. Nun beginnt für ihn die heiße Phase des Wahlkampfs. Dass er hier die Datenkrake Facebook als Kanal bespielen muss, kann als Ironie in diesen verrückten Zeiten gelten.

 

Quelle: NQ-Online

Link: https://www.nq-online.de/lokales/kreis-tuttlingen/bereit-fuer-den-naechsten-schritt_51_112064167-16.html