Partnerschaft in der Bildung

Foto_Schoeningvon Dietmar Schöning

 

Funktionierende Beteiligungsverfahren führen dazu, dass diese Verfahren, in denen unterschiedliche Perspektiven und gegensätzliche Interessen artikuliert werden können, selbst dazu beitragen, Akzeptanz und Vertrauen in die kommunalen Entscheidungsprozesse zu schaffen. In der Stadtplanung ist dies vielfach gut gelungen. Und diese Prozesse (vom Güterbahnhof bis zum Bereich Schönblick/Corrensstraße) werden allgemein als gelungen angesehen, obwohl dabei auch Entscheidungen getroffen werden, die einem Teil der Beteiligten heftig gegen den Strich gehen.

Mit ähnlich erfolgreichen Prozessen im Bereich der Bildungspolitik tut man sich auch in Tübingen noch schwer. Bei der anstehenden Schaffung von Ganztagsgrundschulen hat uns eine Vielzahl von Rückmeldungen (vor allem aus der Elternschaft) gezeigt, dass eine weit intensivere Diskussion erforderlich sein würde als anfangs geplant. Ein Antrag der FDP, in dem es hieß:

Alle Tübinger Grundschulen, die Schulleitungen wie die Elternschaft, werden gebeten, ihre Vorstellungen zur Anpassung ihrer Schule an die Vorgaben des neuen Landesrechts bis zum Ende des kommenden Schuljahrs zu formulieren (vollständig gebundene Form – Wahlform; zeitlicher Umfang der gebundenen Form; Zeitpunkt der Umstellung (2016 – 2021); Umstellung an einer Schule für alle Jahrgänge auf einmal oder nur für die neu hinzukommenden Jahrgänge, zusätzliche Wünsche zur Ausgestaltung eines Ganztagsangebots an die Stadt.)“

wurde nach intensiver Debatte im Gemeinderat angenommen.

Der zweite Teil dieses Antrags, „über weitere Maßnahmen (nach der Schaffung von drei Ganztagsgrundschulen zum Schuljahr 2016/17) … der Stadt erst nach Auswertung der Stellungnahmen von Schulen und Elternschaft“ zu entscheiden, fand keine Mehrheit. Er wurde von der Mehrheit als Strategie des Verschiebens (miss-)verstanden, was seine Absicht gewiss nicht war. Breite Beteiligung heißt nicht Verzicht auf Entscheidung; aber Beteiligung braucht schon Zeit, damit auf qualifizierter Grundlage Entscheidungen möglich werden, die ein hohes Maß an Akzeptanz finden.

Wir hoffen sehr, dass die Schulen und hier vor allem die Eltern gleichwohl die Chancen nutzen, die in diesem Prozess liegen können, und aus den Schulen heraus neue Formen partnerschaftlicher Beteiligung entstehen, die auch der Arbeit der Eltern- und Gesamtelternbeiräte eine stärkere Legitimation verleihen.

 

Weitere Informationen:

Hier finden Sie die Eckpunkte zur Ganztagesgrundschule der FDP-Gemeinderatsfraktion